Wert oder Unwert?
Die größten zwischenmenschlichen Probleme beruhen letztlich immer auf mangelnder Wertschätzung und dem Ziehen bzw. Nichtziehen von Grenzen. Sie fühlen Sich übergangen, nicht beachtet oder einfach durch andere ausgelaugt. Das beruht im Grunde auf mangelnder Wertschätzung und somit fehlender Grenzziehung - und zwar auf beiden Seiten.
Denn es sind Sie, der seinen Wert nicht schätzt, d.h. nicht lebt, nicht nach außen vertritt. Und es ist der andere, der somit Ihren Wert nicht erkennt und Sie dementsprechend behandelt. Und es ist noch einmal Ihr Gegenüber; denn Menschen, die Grenzen überschreiten, haben grundsätzlich ein mangelndes Gefühl für Wertschätzung, was wiederum mit mangelndem Respekt einhergeht.
Der fehlt dann übrigens bei Ihnen auch. Welchen Respekt vor sich selbst und für sich selbst haben sie denn, wenn Sie Ihre eigenen Gefühle misshandeln lassen, vielleicht sogar Ihren Körper in Einsatz bringen, für Dinge und Situationen, die Ihnen im Grunde nicht gut tun, sie unzufrieden werden lassen?
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Eine Person, die Respekt in und um ihr Leben als äußerst wichtigen Punkt erachtet wird Ihre Grenzen ebenso wenig überschreiten, wie sie dies auch von für sich selbst nicht zulassen wird.
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Natürlich werden Sie immer Gründe auf den Tisch legen können, warum Sie dies oder jenes gegen Ihren Willen zugelassen haben. Mag es die Verantwortung sein, die Sie meinen zu haben oder haben zu müssen – wenn Sie Ihnen wie so oft von außen aufgetragen wird und irgendwann sich so einwächst, dass Sie meinen es wäre wirklich Ihre. Mag es sein, dass man Ihnen eingepflanzt hat, wer nicht Ja sagt und sich gegen etwas stemmt sei egoistisch. Und natürlich sei Egoismus besonders schlecht und verwerflich.
Übrigens war das ganz besonders eine Vorgehensweise in frühren Zeiten gegenüber Kindern und Frauen. Kindern hat man erst gar keine großen eigenen Grenzen zugetraut und zugestanden und Frauen kamen oft nur durch Aufgabe ihres eigenen Lebens und Lebensgefühls in den – vermeintlichen – Vorteil vom Manne mitgetragen (oder ertragen?) zu werden, also nicht zur Arbeit zu „müssen“.
Was die Frauen wirklich geleistet haben nahm man nicht war, denn sie standen ja nicht in der Öffentlichkeit und übten lediglich dir ihr aufgetragenen und ganz natürlichen Pflichten aus.
Wohlstand und Selbstaufgabe oder eine von niemanden geliebte Emanze, die ihr eigenes Leben leben darf (und das war auf dem Arbeitsmarkt in früheren Zeiten äußerst schwierig) – zwischen diesen beiden Optionen konnte man wählen. Wenn man denn überhaupt vor die Wahl gestellt wurde.
Heute sieht das natürlich ganz anders aus – wirklich ganz anders?
Ich nehme ein anderes Beispiel. Sie sind ein Mann (bitte nicht werden, nur vorstellen, falls Sie eine Frau sind). Sie sind begeisterter Bastler und Tüftler und verbringen Ihre Samstag-Nachmittage gern in Ihrer Werkstatt hinterm Haus. Das wissen auch viele Ihrer Freunde, Bekannte und Kollegen. Immer wieder schaut der eine oder andere vorbei – um Sie um eine kleine Reparatur eines Gerätes etc. zu bitten. In der letzten Zeit allerdings hat die ganze Sache doch recht überhand genommen und sie haben viele Stunden nicht an Ihrer eigenen Arbeit verbracht, sondern damit, einem Gefallen nachzukommen. Ihnen geht das zwar mittlerweile ganz gehörig auf den Keks, Sie trauen sich jedoch nicht, dem einen oder anderen einfach ein Nein zu entgegnen.
Sie erkennen, Ihre Grenzen werden eingetreten, Ihr Anspruch auf Freizeit nicht wertgeschätzt und sie selbst nehmen den Bittsteller für wichtiger als sich selbst. Das wiederum beruht auf mangelnder eigener Wertschätzung. Denn Sie bewerten Ihren Wert nach der Wohlschätzung, die ein anderer Ihnen entgegenbringt (hoffentlich). Also erwarten Sie zumindest, dass Otto Sie für einen liebenswerten und tüchtigen Kerl, vielleicht sogar noch richtig guten Kumpel hält, wenn Sie für ihn nun auch zum fünften Mal eine Reparatur durchführen. Sie befürchten insgeheim vermutlich, er könnte Ihnen den Rücken kehren, sollten Sie ihm erklären, dass Sie derzeit keine Zeit haben und der arme Kerl, der ja ohnehin knapp bei Kasse ist und eine Familie noch zu versorgen hat, jetzt noch in eine teure Werkstatt müsste. So laufen dann auch alle anderen bei Ihnen ein, um noch schnell etwas zu erbitten.
Der im ersten Augenblick sich einstellende Stolz, der sich in Ihnen regt ist schnell verpufft. Meinten Sie noch die ersten male, die Leute wertschätzen Sie für Ihr Können und Ihren Fleiß, so haben Sie im Laufe der Zeit erkannt, dass dies Ihr eigener Fallstrick geworden ist.
Wissen Sie denn nicht auch ohne die anderen was Sie können?
Ich meine ja.
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Warum respektieren Sie sich nicht selbst, setzen vernünftige Grenzen? Ich kann Ihnen versichern, Sie werden sich dadurch noch einmal ein großes Stück besser fühlen und als ein vollwertigeres Mitglied in Ihrem Umfeld wahrgenommen.. Klingt paradox, ist aber so. Werden Sie zum weisen Herrscher über Ihr eigenes Leben.
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Aus alten Zeiten (und Märchen) wissen wir, dass man auf weise Menschen – man musste nicht unbedingt Herrscher sein – immer mit Respekt aufgeschaut hat und dieser auch Respekt im täglichen Einerlei gezollt wurde. Das heißt nicht, dass man sie nicht um Rat fragte, aber man wusste wo die Grenzen gesteckt waren, die eigenen und die des anderen. Und man wusste um das Gesetz des Kosmos vom Geben und Nehmen im harmonischen Ausgleich.
Vielleicht mögen Sie Ihr eigenes Verhalten und Leben einmal durchleuchten und in jedes Gefühl des Mangels oder Unmutes einfach ein Licht des Respekts einfließen lassen. Sie werden wachsen und erblühen.
Ich wünsche Ihnen viel Freude!
© Annette Esposito
